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Reuß Ă€lterer Linie
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Das FĂŒrstentum Reuß Ă€lterer Linie war ein Kleinstaat im Osten des heutigen Landes ThĂŒringen. Hauptstadt war Greiz.

Contents

‱ Geschichte
‱ FĂŒrsten
‱ Wirtschaft
‱ Kammer
‱ Konsistorium
‱ Wappen
‱ Literatur
‱ Siehe auch
‱ Weblinks

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Geschichte

Reuß Ă€lterer Linie ist ein Hauptzweig des Hauses Reuß. Das FĂŒrstentum Reuß Ă€ltere Linie entstand am 12. Mai 1778 mit der Erhebung Heinrichs XI. in den ReichsfĂŒrstenstandcite-ref-1[1] aus der Grafschaft Greiz Ă€ltere Linie. Diese war am 17. MĂ€rz 1768 nach dem Tod Heinrichs III., Graf von Untergreiz, und der Vereinigung von Obergreiz und Untergreiz unter Heinrich XI. entstanden. Rund hundert Jahre frĂŒher, am 26. August 1673, war die Erhebung Heinrichs I. Reuß-Obergreiz und aller Herren Reuß in den Reichsgrafenstand unter der Lehnshoheit zur böhmischen Krone erfolgt.cite-ref-2[2] 1807 trat das FĂŒrstentum dem Rheinbund bei und stand damit bis 1813 unter der Protektion Napoleons, ehe es 1815 Mitglied des Deutschen Bundes wurde. Auf dem Wiener Kongress konnte FĂŒrst Heinrich XIII. ein vorher zwischen dem Königreich Sachsen und Reuß strittiges Gebiet fĂŒr sich gewinnen. Es handelte sich dabei um die einst dem Kloster Mildenfurth zugehörigen Dörfer Altgommla und KĂŒhdorf sowie um Teile der Dörfer Alt- und Neugernsdorf. 1833 wurde Reuß Ă€. L. im Zoll- und Handelsverein der ThĂŒringischen Staaten Mitglied des Deutschen Zollvereins.

FĂŒr die Geschichte 1848 bis 1851 siehe Revolution von 1848/1849 in Reuß Ă€lterer Linie.

Im Deutschen Krieg 1866 war Reuß Ă€. L. aufgrund historischer Verbindungen (unter anderem war Heinrich XIII. kaiserlich-österreichischer Generalfeldzeugmeister) und dynastischer Beziehungen VerbĂŒndeter Österreichs. WĂ€hrend der Kriegshandlungen lag das FĂŒrstentum abseits von den Geschehnissen. Die preußische KriegserklĂ€rung erfolgte am 21. Juni, erst am 11. August 1866 kam es zur militĂ€rischen Besetzung durch zwei Kompanien.

An eine Aufnahme eines selbstĂ€ndigen Reuß Ă€. L. in den von Preußen neu gegrĂŒndeten Norddeutschen Bund war dabei noch nicht gedacht. Vielmehr sollte dieser Staat im Rahmen eines Gebietsaustausches zwischen Preußen (Kreis ZiegenrĂŒck) und Reuß jĂŒngerer Linie aufgeteilt werden. Allerdings bewahrte die FĂŒrsprache des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach beim preußischen König Wilhelm I. das FĂŒrstentum vor diesem Schicksal. Auch bezĂŒglich Abtretungen erkannte man, dass Reuß Ă€. L. zu klein war, um noch kleiner gemacht zu werden. Daher erfolgte an Stelle von Landabtretung eine Geldzahlung von 100.000 Talern, welche je zur HĂ€lfte das FĂŒrstenhaus und das Land trugen.

Am 26. September 1866 wurde dann in Berlin der Friedensvertrag unterzeichnet, durch den Reuß Ă€. L. zwangsweise dem Norddeutschen Bund beitrat. Damit war das Land nur noch ein Gliedstaat dieses neuen Bundesstaates, der am 1. Juli 1867 seine Bundesverfassung erhielt. Im Jahre 1871 traten die SĂŒdstaaten bei, sodass der Bundesstaat in Deutsches Reich umbenannt wurde. Als 1880 die Gliedstaaten verpflichtet wurden, beim Bundesrat in Berlin stĂ€ndige Vertretungen einzurichten, ĂŒbertrug das FĂŒrstentum seine Vertretung auf das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin.cite-ref-3[3] Nach dem Tod von Heinrich XXII. ĂŒbernahm dies das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.

Reuß Ă€. L. blieb ein sehr konservativer Staat. So bedurften VereinsgrĂŒndungen einer staatlichen Genehmigung und politische Vereine jeder Richtung waren verboten. Im Sommer 1851 verabschiedete der Landtag zwar eine Verfassung, die jedoch so lange hinausgezögert wurde, dass eine Publizierung in Anbetracht der zunehmenden Reaktion nicht mehr nötig war. Erst die Aufnahme in den Norddeutschen Bund machte eine Verfassungsdiskussion wieder notwendig. So fĂŒhrte das FĂŒrstentum mit der Verfassung des FĂŒrstentums Reuß Ă€lterer Linie vom 28. MĂ€rz 1867 als letzter Staat ThĂŒringens die konstitutionelle Monarchie ein. Der neue Greizer Landtag setzte sich aus zwölf Abgeordneten zusammen, von denen drei vom FĂŒrsten ernannt, zwei von Rittergutsbesitzern und den grĂ¶ĂŸten Bauern bestimmt und sieben in drei stĂ€dtischen und vier lĂ€ndlichen Wahlkreisen im indirekten Verfahren gewĂ€hlt wurden.

FĂŒrst Heinrich XXII. versuchte weiterhin, die selbstherrliche Regierungsweise fortzufĂŒhren, die Reuß Ă€. L. zu einer Hochburg eines orthodoxen Luthertums machte. Sein Verhalten gegenĂŒber den Vertretern Preußens war durch Abneigung bis Feindschaft gekennzeichnet. Die preußische Presse gab ihm den Beinamen „der Unartige“. Insbesondere mit der RĂŒstungspolitik und der Außenpolitik des Reiches war er nicht einverstanden, so dass unter anderem als einziger Gliedstaat Reuß Ă€. L. im Bundesrat 1900 gegen die China-Expedition und 1901 gegen den Etat des AuswĂ€rtigen Amtes sowie gegen den Kolonialetat stimmte. Aber auch gegen die EinfĂŒhrung der obligatorischen Zivilehe, des BGB, die Kulturkampfgesetze und sogar gegen die Sozialistengesetze wurde gestimmt.

Das FĂŒrstentum war ein Staat der Extreme, als einziger deutscher Staat 1910 ohne Schulden,cite-ref-4[4] als einziger bis zur GrĂŒndung des stĂ€dtischen Gymnasiums in Greiz 1879 ohne Schule, die zur Hochschulreife fĂŒhrte.

Mit dem Tod von FĂŒrst Heinrich XXII. endete 1902 die Regentschaft der Ă€lteren Linie, da sein Sohn FĂŒrst Heinrich XXIV. fĂŒr geisteskrank und somit dauernd regierungsunfĂ€hig erklĂ€rt worden war. So fiel die Vormundschaft und Regentschaft an FĂŒrst Heinrich XIV. (Reuß jĂŒngere Linie). Seit 1908 regierte sein Sohn Heinrich XXVII. beide FĂŒrstentĂŒmer in Personalunion bis 1918.

Nach der Novemberrevolution 1918 wurde Reuß Ă€. L. ein Freistaat, der sich aber schon 1919 mit dem Freistaat Reuß j. L. zum Volksstaat Reuß mit der Hauptstadt Gera vereinigte, der wiederum 1920 im Land ThĂŒringen aufging.

FĂŒrsten

1. 1743–1800 Heinrich XI. (1722–1800)
2. 1800–1817 Heinrich XIII. (1747–1817)
3. 1817–1836 Heinrich XIX. (1790–1836)
4. 1836–1859 Heinrich XX. (1794–1859)
5. 1859–1867 vormundschaftlich: Caroline von Hessen-Homburg (1819–1872)
6. 1867–1902 Heinrich XXII. (1846–1902)
7. 1902–1918 Heinrich XXIV. (1878–1927), regierungsunfĂ€hig

Regentschaft durch: 1902–1908 Heinrich XIV. j. L. (1832–1913) 1908–1918 Heinrich XXVII. j. L. Erbprinz, Regent und (seit 1913) FĂŒrst j. L. (1858–1928)

Regierungs- und KonsistorialprÀsidenten

‱ 1782 – 1841: Franz Christian Ferdinand von GrĂŒn
‱ 1841 – Juni 1848: Ludwig Freiherr von und zu Mannsbach
‱ 1. Juli 1848 – 6. Mai 1861: Franz Eduard Otto
‱ 1861 – 26. Januar 1870: Hugo Moritz Herman
‱ 1. Juni 1870 – 30. September 1874: Otto Theodor Meusel
‱ 1874 – 1888 Albert Friedrich Wilhelm Faber
‱ 1888 – 13. April 1892: Alfred August Mortag
‱ 1893 – 17. September 1900: Theodor von Dietel
‱ 1901 – 12. November 1918: Ernst August von Meding

Nach der Novemberrevolution wurde 1918 bis 1919 die Regierung aus William OberlĂ€nder, Arthur Drechsler und Paul Kiß gebildet.

Wirtschaft

Insbesondere die Textilindustrie war in Reuß Ă€. L. stark vertreten. 1860 wurde an Stelle der Leinen- und Baumwollweberei die Kammgarnweberei eingefĂŒhrt. Zur Veredelung der Weberei-Erzeugnisse gab es FĂ€rbereien und Appreturanstalten. 1864 wurde in Greiz der erste mechanische Webstuhl aufgestellt. Im Jahr 1900 gab es 10.876 WebstĂŒhle.

Verwaltungsgliederung

An der Spitze des Staates stand der FĂŒrst. Darunter bestand eine zweistufige Verwaltungsorganisation.

Geheimes Kabinett

Das Geheime Kabinett war eine Behörde die direkt fĂŒr den Landesherrn und das FĂŒrstenhaus tĂ€tig war. Das Kabinett bearbeitete die Angelegenheiten des fĂŒrstlichen Hauses. Dazu gehörten teilweise auch außenpolitische Funktionen. Dem Kabinett nachgeordnet war die Schatullenverwaltung der fĂŒrstlichen Familie.

Kammer

Das Kammer war als Behörden fĂŒr die Finanzen des Landesherrn und das FĂŒrstenhaus zustĂ€ndig. Dazu gehörte die Verwaltung des fĂŒrstlichen Besitzes, insbesondere der DomĂ€nen und der Schlösser. Die Einnahmen der Kammer aus den fĂŒrstlichen GĂŒtern und EinkĂŒnften dienten der Finanzierung des FĂŒrstenhauses, eine Zivilliste bestand nicht. Der Kammer waren nachgeordnet: das FĂŒrstliche Forstdepartement, die FĂŒrstliche Hofhaltung, die Adjutantur, der FĂŒrstliche Marstall, die Generalkasse und die Forstgeldeinnahme, das Rentamt und die FĂŒrstliche Hofwirtschaft.

Landesregierung

Die FĂŒrstliche Landesregierung mit der Landeskasse (so die Bezeichnung ab 1852) war die obere Behörde fĂŒr die innere Verwaltung, die Justizverwaltung (bis 1868), das staatliche Finanzwesen und die Beziehung zu den Reichsbehörden (seit der ReichsgrĂŒndung 1871). Bis 1868 war sie auch Gericht mittlerer Instanz (diese Aufgabe ging auf das gemeinsame Appellationsgericht Eisenach ĂŒber).

An der Spitze der Landesregierung stand ein RegierungsprĂ€sident, der gleichzeitig PrĂ€sident des Konsistoriums war. Die Landesregierung bestand daneben aus mehreren RegierungsrĂ€ten. Die Regierung war bis zum Ende des FĂŒrstentums nicht nach dem Ressortprinzip, sondern nach dem KollegialitĂ€tsprinzip organisiert. Dies stellte im deutschen Kaiserreich einen Anachronismus dar.

Unterbehörden waren die 5 Ämter (Obergreiz, Untergreiz, Dölau, Burgk und Zeulenroda) und die StadtrĂ€te der StĂ€dte Greiz und Zeulenroda. Die Ämter Obergreiz, Untergreiz und Dölau wurden 1855 zum Justizamt Greiz zusammengefasst.

Konsistorium

Das FĂŒrstliche Konsistorium war die Oberbehörde fĂŒr Kirchen- und Schulangelegenheiten. Die vier Mitglieder waren der RegierungsprĂ€sident als KonsistoriumsprĂ€sident, der Superintendent und Stadtpfarrer von Greiz in seiner Eigenschaft als Konsistorialrat, einem Regierungsrat, der ebenfalls gleichzeitig Konsistorialrat war, und einem Kirchenrat (zumeist der Archidiakon von Greiz). Daneben wirkte in Schulsachen der Landesschulinspektor (dieser war typischerweise gleichzeitig Direktor des FĂŒrstlichen Lehrerseminars) im Konsistorium mit. Auch das Konsistorium war bis 1868 als Gericht (fĂŒr Kleriker sowie in Ehesachen und als Nachlassgericht) tĂ€tig.cite-ref-5[5]

Verwaltungsreform von 1868

1868 wurde die Verfassung erlassen und eine Verwaltungsreform durchgefĂŒhrt. Im Rahmen der Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung wurde am 1. Oktober 1868 ein Landratsamt in Greiz fĂŒr das gesamte FĂŒrstentum eingerichtet. In der Exklave Burgk ĂŒbernahm das dortige Justizamt einen Teil der Befugnisse des Landratsamts.cite-ref-6[6]cite-ref-7[7]

Verwaltungsgliederung mit Einwohnerzahl 1871cite-ref-8[8]

| Landratsamt | Einwohner 1871 |
|---|---|
| Burgk , Amtsgerichtsbezirk | 5.097 |
| Greiz | 39.997 |

| FĂŒrstentum Reuß Ă€lterer Linie | FĂŒrstentum Reuß Ă€lterer Linie | FĂŒrstentum Reuß Ă€lterer Linie | FĂŒrstentum Reuß Ă€lterer Linie |
|---|---|---|---|
| Gesamt: | Gesamt: | 72.769 | 72.769 |
| Amtsgerichtsbezirk Burgk | Amtsgerichtsbezirk Burgk | Landratsamt Greiz | Landratsamt Greiz |
| Gesamt: | 4.824 | Gesamt: | 67.945 |
| Kommune | Einwohnerzahl | Kommune | Einwohnerzahl |
| Remptendorf | 1.174 | Greiz | 23.245 |
| Möschlitz | 628 | Zeulenroda | 10.389 |
| Friesau | 583 | Irchwitz | 4.477 |
| Crispendorf | 462 | Fraureuth | 3.369 |
| Zoppoten | 443 | Pohlitz | 3.329 |
| Röppisch | 307 | Reudnitz | 1.610 |
| Plothen (reußischer Anteil) (1) | 263 | HermannsgrĂŒn | 1.541 |
| Neundorf | 209 | Dölau | 1.044 |
| Burgk | 189 | Obergrochlitz | 958 |
| Rauschengesees | 146 | Schönfeld | 839 |
| Pahnstangen | 142 | Caselwitz | 802 |
| Grochwitz | 139 | Kurtschau | 747 |
| MönchgrĂŒn | 71 | Naitschau | je 732 |
| Dörflas | 68 | Sachswitz | je 732 |
| Forstbezirk Burgk | 0 | Neugommla | 728 |
| | | Rothenthal | 708 |
| | | Pöllwitz (Anteil Reuß Ă€. L.) (2) | 671 |
| | | BernsgrĂŒn | 670 |
| | | CossengrĂŒn | 669 |
| (1) anderer Teil zu: Ghztm. Sachsen-Weimar-Eisenach (V. Verwaltungsbezirk) | (1) anderer Teil zu: Ghztm. Sachsen-Weimar-Eisenach (V. Verwaltungsbezirk) | Kleinreinsdorf | je 566 |
| (2) anderer Teil zu: Fstm. Reuß jĂŒngerer Linie (Landratsamt Gera) | (2) anderer Teil zu: Fstm. Reuß jĂŒngerer Linie (Landratsamt Gera) | Moschwitz | je 566 |
| (3) anderer Teil zu: Kgr. Sachsen ( Amtshauptmannschaft Plauen ) | (3) anderer Teil zu: Kgr. Sachsen ( Amtshauptmannschaft Plauen ) | Raasdorf | 496 |
| (4) anderer Teil zu: 4) Ghztm. Sachsen-Weimar-Eisenach (V. Verwaltungsbezirk). und: Kgr. Sachsen ( Amtshauptmannschaft Zwickau ) | (4) anderer Teil zu: 4) Ghztm. Sachsen-Weimar-Eisenach (V. Verwaltungsbezirk). und: Kgr. Sachsen ( Amtshauptmannschaft Zwickau ) | Altgommla | 488 |
| (5) 85 Einwohner sind bei Greiz enthalten | (5) 85 Einwohner sind bei Greiz enthalten | Hohndorf | 476 |
| | | Nitschareuth | 456 |
| | | Mehla | 399 |
| | | Zoghaus | 378 |
| | | Untergrochlitz | 357 |
| | | FröbersgrĂŒn | je 349 |
| | | Wildetaube | je 349 |
| | | Daßlitz | 343 |
| | | Kahmer | 330 |
| | | BrĂŒckla | 322 |
| | | ArnsgrĂŒn | 320 |
| | | Reinsdorf | 316 |
| | | Görschnitz (reußischer Anteil) (3) | 301 |
| | | GottesgrĂŒn | 300 |
| | | Schönbach | 296 |
| | | Tschirma | 282 |
| | | Dobia | je 246 |
| | | Wellsdorf | je 246 |
| | | Neugernsdorf | 226 |
| | | Waltersdorf | 206 |
| | | Sorge (reußischer Anteil) (4) | 198 |
| | | Mohlsdorf | 186 |
| | | ErbengrĂŒn | 178 |
| | | Hohenölsen (reußischer Anteil) (1) | je 172 |
| | | Lunzig | je 172 |
| | | Wolfshain | 130 |
| | | Altgernsdorf | 125 |
| | | KĂŒhdorf | je 114 |
| | | Neudörfel | je 114 |
| | | Leiningen | 103 |
| | | BĂŒna | 102 |
| | | Hainsberg | 91 |
| | | Kauern | 82 |
| | | Schönbrunn | 76 |
| | | Hain | 72 |
| | | Eubenberg | je 54 |
| | | Gablau | je 54 |
| | | Frotschau | 48 |
| | | Forstbezirk HeinrichsgrĂŒn | je 0 |
| | | Forstbezirk HerrmannsgrĂŒn | je 0 |
| | | Forstbezirk Obere Haardt | je 0 |
| | | Forstbezirk Pohlitz | je 0 |
| | | Forstbezirk Untere Haardt | je 0 |
| | | Schloßgemeinde Greiz (5) | 85 |

WĂ€hrung und Postregal

Das FĂŒrstentum trat 1838 dem Dresdner MĂŒnzvertrag bei. Zwei Taler im preußischen 14-Taler-MĂŒnzfuß entsprachen nun 3 1⁄2 sĂŒddeutschen Gulden im 24 1⁄2-Gulden-Fuß, was als gemeinsame VereinsmĂŒnze der „contrahierenden Staaten“ gelten sollte. Diese VereinsmĂŒnze zu „2 Taler = 3 1⁄2 Gulden“ war in jedem Zollvereins-Land gesetzlich gĂŒltig – unabhĂ€ngig davon, wer der jeweilige Emittent der VereinsmĂŒnze war. Mehrere Linien Reuß prĂ€gten eigene MĂŒnzen im preußischen MĂŒnzfuß (1 Reichstaler zu 24 Groschen zu 288 Pfennigen, ab 1838 1 Taler zu 30 Silbergroschen zu 360 Pfennigen):

‱ Reuß Ă€lterer Linie (Reuß-Greiz) 1806–1909, MĂŒnzstĂ€tten bestanden in Saalfeld vor 1840, in Hannover 1875–1877, in Berlin 1840–1909,
‱ Reuß-Lobenstein-Selbitz 1807, MĂŒnzstĂ€tte Saalfeld,
‱ Reuß-Lobenstein-Ebersdorf 1812–1847, MĂŒnzstĂ€tte Berlin,
‱ Reuß jĂŒngerer Linie (Reuß-Schleiz-Gera) 1816–1884, MĂŒnzstĂ€tten Saalfeld vor 1840, Berlin 1840–1884.

Erst mit der EinfĂŒhrung der Mark als ReichswĂ€hrung zum 1. Januar 1876 nach dem Gesetz vom 4. Dezember 1871 wurde die Zersplitterung des WĂ€hrungswesens aufgehoben.

Bis 1868 ließ Reuß Ă€lt. Linie auch eigene KleinmĂŒnzen prĂ€gen, die als Auftragsarbeiten aber an die MĂŒnzstĂ€tte Berlin vergeben wurden. Nach ReichsgrĂŒndung wurden Nominale im Wert von 20 Mark (Gold), sowie 2- und 3-MarkstĂŒcke in Silber, ebenfalls in Berlin, geprĂ€gt.cite-ref-10[10]

Die Thurn-und-Taxis-Post sicherte sich durch VertrĂ€ge mit den FĂŒrstentĂŒmern Reuß das Postregal:

‱ 17. MĂ€rz 1809 mit Reuß-Lobenstein und Reuß-Ebersdorf,
‱ 21. MĂ€rz 1809 mit Reuß-Greiz,
‱ 1. MĂ€rz 1816 mit Reuß-Schleiz
‱ 1. MĂ€rz 1817 mit Reuß-Schleiz, Reuß-Lobenstein und Reuß-Ebersdorf wegen der gemeinsamen Herrschaft Gera.

Schon Ă€ußerlich war die gemeinsame Verwaltung am Namen, an den Postwappen und an den Uniformen, die sich durch verschiedene Kragenfarben unterschieden, zu erkennen. So lautete der Name der Postanstalt: „FĂŒrstlich Reußsche, FĂŒrstlich Thurn und Taxissche Lehenspostexpedition“. Das Postwappen vereinte demzufolge beide Wappen, unten das Reußer, darĂŒber das fĂŒrstlich Thurn und Taxissche. Von 1852 bis 1866 gab die Thurn-und-Taxis-Post eigene Briefmarken in zwei verschiedenen WĂ€hrungen aus. Reuß gehörte zum Nördlichen Bezirk mit GroschenwĂ€hrung. Ab 1867 ging das Postregal an Preußen ĂŒber.

Gerichtswesen

→

Hauptartikel

:

Gerichte in Reuß Ă€lterer Linie

Die Gerichtsbarkeit oblag dem Oberlandesgericht in Jena. Dies war zustĂ€ndig fĂŒr die vier sachsen-ernestinischen Staaten, das FĂŒrstentum Schwarzburg-Rudolstadt und die beiden reußischen FĂŒrstentĂŒmer sowie die preußischen Kreise Schmalkalden, Schleusingen und ZiegenrĂŒck. Das FĂŒrstentum Reuß Ă€lterer Linie bildete den Bezirk des Landgerichtes Greiz, mit den drei Amtsgerichten Burgk, Greiz, Zeulenroda.

MilitÀr

Als Mitglied des Deutschen Bundes stellte das FĂŒrstentum ein Kontingent von 223 Mann Infanterie und gehörte zum 12. Bataillon der Reservedivision des Bundesheeres. Seit der GrĂŒndung des Deutschen Bundes unterhielten beide FĂŒrstentĂŒmer gemeinsam ein Bataillon Infanterie von 745 Mann. 1854 wurde die FriedensstĂ€rke auf sechs Kompanien erhöht, wobei Reuß Ă€. L. eine JĂ€gerabteilung zu zwei, Reuß j. L. ein Bataillon zu vier Kompanien stellte.cite-ref-11[11]

Das fĂŒrstlich-reußische MilitĂ€r beider Linien bildete nach der am 4. Februar 1867 mit Preußen geschlossenen MilitĂ€rkonvention im Deutschen Kaiserreich gemeinsam mit den Kontingenten von Sachsen-Altenburg und von Schwarzburg-Rudolstadt das 7. thĂŒringische Infanterieregiment Nr. 96, das zum 4. preußischen Armeekorps in Magdeburg gehörte. Ein Bataillon lag in Gera in Garnison, von dem allmonatlich ein kleines Detachement nach Greiz abgeschickt wurde.

Wappen

Beide FĂŒrstentĂŒmer Reuß fĂŒhrten ein gemeinsames Wappen. Blasonierung: Das Wappen bestand aus einem quadrierten Schild. In den Feldern:

‱ Felder 1 und 4: In Schwarz ein stehender goldener Löwe. (Vögte von Plauen als Stammherren des FĂŒrstentums Reuß)
‱ Felder 2 und 3: In Silber ein goldener Kranich. (Herrschaft Kranichfeld. Das Oberkranichfeld kam 1453 von den Burggrafen von Kirchberg an die Herren Reuß von Plauen, 1615 an Sachsen-Weimar, 1620 an Schwarzburg, 1663 an Sachsen-Gotha und 1826 schließlich an Sachsen-Meiningen. Dennoch fĂŒhrten die FĂŒrsten von Reuß den Kranich prominent im Wappen.)

Die Landesfarben waren Schwarz-Rot-Gold.

Siehe auch

:

Wappen und Siegel der Vögte

Weitere Daten

‱ Bevölkerung: 68.396 (1900)
‱ StĂ€dte: Greiz (1811: 4.000 Einwohner, 1910: 23.245 Einwohner), Zeulenroda
‱ Exklaven: Zeulenroda, Neudörfel, Görschnitz, Rauschengesees, Burgk mit Möschlitz und Remptendorf, Plothen und Röppisch

Orte mit mehr als 2.000 Einwohnern im Jahr 1910:

| Ort | Einwohner 1. Dez. 1910 |
|---|---|
| Greiz | 23.245 |
| Zeulenroda | 10.389 |
| Irchwitz | 4.477 |
| Fraureuth | 3.369 |
| Pohlitz | 3.329 |

Literatur

‱ Ulrich Hess: Geschichte ThĂŒringens 1866 bis 1914. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1991, ISBN 3-7400-0077-5.
‱ Reinhard Jonscher, Willy Schilling: Kleine thĂŒringische Geschichte. 3. Auflage. Jenzig-Verlag, Jena 2003, ISBN 3-910141-44-7.
‱ Werner Greiling, Hagen RĂŒster (Hrsg.): Reuß Ă€lterer Linie im 19. Jahrhundert. Das widerspenstige FĂŒrstentum? Verlag Vopelius, Jena 2013, ISBN 978-3-939718-55-0.
‱ Reuß. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 13, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 758.
‱ Maria Emanuel Herzog zu Sachsen: MĂ€zenatentum in Sachsen. Verlag Weidlich, Frankfurt am Main 1968, ErwĂ€hnungen und Nennungen der FĂŒrsten und der Familie Reuss, S. 20, 33, 41, 44.
‱ Werner Querfeld: Erster konstitutioneller Landtag von Reuß-Greiz im Jahre 1867 (und Detlef Sandern: Parlamentarismus in Sachsen-Coburg-Gotha 1821/26 – 1849/52). Schriften zum Parlamentarismus in ThĂŒringen, Heft 7, 3. Auflage. ThĂŒringer Landtag, Jenzig Verlag, Jena 2003, ISBN 978-3-86160-507-2.

Siehe auch

‱ Vögte von Plauen 1244–1572
‱ FĂŒrstenhaus Reuß Übersicht ĂŒber Teilung der Territorien
‱ Reuß mittlerer Linie Liste der Herren 1564–1616
‱ Reuß jĂŒngerer Linie Liste der FĂŒrsten 1848–1918

Weblinks

Commons

: Reuß Ă€lterer Linie

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ FĂŒrstentum Reuß Ă€lterer Linie - Landratsamt Gera im Gemeindeverzeichnis 1900. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 10. Dezember 2024; abgerufen am 22. August 2025.
‱ Literatur von und ĂŒber Reuß Ă€lterer Linie im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Suche nach FĂŒrstentum Reuß Ă€ltere Linie. In: Deutsche Digitale Bibliothek
‱ Suche nach FĂŒrstentum Reuß Ă€ltere Linie im Online-Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ ThĂŒr. Staatsarchiv Greiz, Hausarchiv, Eiserne Truhe: Erhebungsurkunde
cite-note-22. ↑ Greizer Heimatkalender 1998, S. 8
cite-note-33. ↑ Ulrich Hess: Geschichte ThĂŒringens 1866 bis 1914. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1991, ISBN 3-7400-0077-5, S. 177.
cite-note-44. ↑ Statistisches Jahrbuch fĂŒr das Deutsche Reich 1913
cite-note-55. ↑ Christian Espig: Die „Soziale Morphologie“ als methodischer Zugang einer lokalen Religionswissenschaft am Beispiel des FĂŒrstentums Reuß Ă€.L., Diss. 2016, S. 81–83, Digitalisat
cite-note-66. ↑ Gesetz, die Organisation der Justiz- und Verwaltungsbehörden betreffend vom 1. September 1868. In: Gesetzsammlung des FĂŒrstenthums Reuß Ă€lterer Linie. Band 1868, Nr. 20. Greiz 1868, S. 277 ff. (Digitalisat).
cite-note-77. ↑ Regierungsverordnung zum Gesetz zur Organisation der Justiz- und Verwaltungsbehörden. In: Gesetzsammlung des FĂŒrstenthums Reuß Ă€lterer Linie. Band 1868, Nr. 51. Greiz 1868, S. 524 (Digitalisat).
cite-note-88. ↑ Fußnote: VolkszĂ€hlung 1871
cite-note-91. FĂŒrstentum Reuß Ă€lterer Linie - Landratsamt Gera im Gemeindeverzeichnis 1900. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 10. Dezember 2024; abgerufen am 22. August 2025.
cite-note-1010. ↑ Arnold/KĂŒthmann/Steinhilber, Großer deutscher MĂŒnzkatalog von 1800 bis heute, 41. Auflage 2026, S. 347–351
cite-note-1111. ↑ Heinrich Ambros Eckert und Dietrich Monten, Das deutsche Bundesheer, Band II., Dortmund 1981, S. 17.